27 Alber, Erdmute: Und wer zieht nach Huayopampa? Mobilität und Strukturwandel in einem peruanischen Andendorf. 1990. 248 S., 20 EUR. ISBN 3-88156-494-2
28 Lühr, Volker; Schulz, Manfred: Entwicklungssoziologisches Studium und entwicklungspolitische Praxis. Zum beruflichen Verbleib von Studierenden 1965-1989. 1991. IX, 148 S., 14 EUR. ISBN 3-88156-499-3.
Kritische Betrachtung zur Problematik des Unvermögens der Universitäten, den Studierenden das erforderliche Rüstzeug für die Berufspraxis mitzugeben
29 Freiberg-Strauß, Jörg: Mikroökonomische Entscheidungsstrukturen von Kleinbauernfamilien in der Kartoffelwirtschaft von Boyacá, Kolumbien. 1991. XIII, 353 S., 26 EUR. ISBN 3-88156-509-4
Ausgangspunkt ist die Bedeutung der Lebens- und Familienzyklen für Ressourcenallokation und langfristigen Fortbestand kleinbäuerlicher Familienbetriebe. Die Familie ist durch typische Defizit- und Surplusphasen gekennzeichnet und muss diese mit den Gegebenheiten des Familienbetriebs und der sozialen Umwelt verbinden. Am Beispiel eines Dorfes der Kartoffelanbauregion Boyacá in Kolumbien wird ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen Familienzyklus, landwirtschaftlicher Betriebsfläche, Bodeneigentum, Viehbesitz und Vermögensklasse nachgewiesen. Die Verknüpfung von Betrieb, Familie und sozialer Umwelt wird im Kontext der informellen sozialen Sicherung diskutiert.
30 Trenk, Marin: Der Schatten der Verschuldung. Komplexe Kreditbeziehungen des informellen Finanzsektors. 1991. 185 S., 16 EUR. ISBN 3-88156-513-2
Autochthone Finanzsysteme und informelle Kreditinstitutionen wurden bislang überwiegend als »wirtschaftsethnologische Kuriosität« (H. D. Seibel) angesehen, als wucherisch und entwicklungshemmend. Zunehmend werden ihre Entwicklungsmöglichkeiten und ihre Bedeutung für die Überlebenssicherung der armen Bevölkerung erkannt. Die vorliegende Arbeit, als Sequenz theoretischer Untersuchungen konzipiert, zeigt die Grenzen einer rein ökonomischen Analyse. Beispiele und Fallstudien aus mehreren Gesellschaften Asiens und Afrikas und alternative wirtschaftsethnologische Konzeptionen und Kategorien zeigen die Komplexität des informellen Finanzsektors, seine soziale Einbettung und seinen moralökonomischen Charakter.
31 Steinwand, Dirk: Sicherheit und Vertrauen - Ländliche Verschuldung und informelle Kreditbeziehungen in Thailand. Mit einer Fallstudie aus der Provinz Chachoengsao. 1991. X, 152 S., 15 EUR. ISBN 3-88156-525-6
Verschuldung wird gewöhnlich als Anzeichen und Ursache ländlicher Armut betrachtet. Die Kreditgeber gelten als Kredithaie, ihre Geschäfte als Wucher. Der Autor widerspricht dieser Meinung. Er erklärt ländliche Verschuldung mit den besonderen Charakteristika bäuerlicher Einkommens- und Produktionsbedingungen. Einen Schwerpunkt bildet die Darstellung unterschiedlicher Arten informeller Kreditbeziehungen. Die Einbettung in die dörfliche Gesellschaft erklärt ihre Vorzüge gegenüber Agrarkreditprogrammen. Die Ergebnisse einer empirischen Fallstudie stellen gängige Unterscheidungen zwischen formeller und informeller Kreditvergabe in Frage. Der Annahme, Ver-schuldung sei stets Ausdruck ökonomischer Zwänge oder gar nackter Not, werden Hinweise auf die Rationalität bäuerlichen Handelns gegenübergestellt.
32 Schulz, Manfred (ed.): ACP – EEC: Partners in Cooperation. 1992. I, 243 p., 19 EUR. ISBN 3-88156-530-2
The Lomé IV Convention between 69 ACP countries and the EEC was signed on December 15th 1989. Though the trade between ACP and EEC countries relatively to the development of world trade has not expanded over the years the Lomé Convention generally is considered as a successful example of North-South cooperation. The present volume deals with the various aspects of this cooperation: aid structure, institutional set-up and development, cooperation in the fields of agriculture and rural development, special aid arrangements like STABEX and SYSMIN, food aid, trade relations, the CAP and cultural and social cooperation.
33 Ofner, Ulrike: Modernität als Tradition. Von den Crew-Men der Küstenboote zur »Ethnie« der Kru. Ethnographische Notizen von der Elfenbeinküste. 1992. III, 109 S., 2 Foto-S., 13 EUR. ISBN 3-88156-540-X
An der westafrikanischen Küste sind die Kru als »Nomaden des Meeres« bekannt. Bereits im 16./17. Jhdt. ließen sie sich – als erste der Gegend – von europäischen Seefahrern anheuern. Allerdings nannten sie sich damals keineswegs »Kru«. Erst durch den Kontakt mit den Europäern entstand eine sozioprofessionelle Einheit. Ihr anzugehören, erstrebten zunehmend mehr (autonome) Gruppen und Grüppchen, die das schwer zugängliche Grenzgebiet der heutigen Staaten Liberia und Elfenbeinküste bewohnen. Triebkraft des Prozesses war der Kampf um das mit der Erwerbstätigkeit verbundene Prestige innerhalb der Gruppen. Anfang der 70er Jahre wurde ein Teil des von Kru bewohnten Gebiets der Elfenbeinküste durch ein ehrgeiziges Großprojekt »erschlossen«. Kernstück des ökonomischen Kraftakts war die Errichtung eines Tiefseehafens vor dem ehemaligen Küstendörfchen San Pedro. Damit änderten sich die sozioökonomischen Rahmenbedingungen für die Kru schlagartig. lhre heutige Lebenssituation ist Gegenstand der Feldstudie.
34 Nelle, Florian: Sarmientos »Reisen«: Vision eines neuen Amerika. 1992. IV, 162 S., 15 EUR. ISBN 3-88156-549-3
Europäische Reisende des 19. Jhdts. fanden in Lateinamerika die verlorengeglaubte Einheit mit der Natur wieder. D. F. Sarmiento, argentinischer Schriftsteller und späterer Präsident, reiste 1845 in die entgegengesetzte Richtung »rund um die zivilisierte Welt« und suchte in Europa den Anschluß an die fortschreitende Geschichte und, wie er glaubte, seine eigenen geistigen Wurzeln. Die »Viajes« sind Chronik einer Bekehrung zum neuen Vorbild der USA und zeigen Sarmientos Auffassung vom lateinamerikanischen Prozeß der Zivilisation, dessen widersprüchliche Elemente sich in seinen pädagogischen, militärischen und gesellschaftlichen Vorstellungen konkretisieren.
35 Gallon, Thomas-Peter: Die Revitalisierung der »Fokonolona«-Dorfräte im Rahmen der Landentwicklungs-Politik der Demokratischen Republik Madagaskar. 1992. V, 333 S., 20 EUR. ISBN 3-88156-556-6
Ein Lehrstück über Romantizismen im entwicklungspolitischen Diskurs. Ähnlich der tansanischen Ujamaa-Bewegung wollte man mit dem kommunitären Dorfmodell Fokonolona eine Dorfgemeinschaft als Fokus nationaler Identität und als Subjekt autozentrierter Entwicklung wiederbeleben. Mit streng empirischer Ideologiekritik legt die Fallstudie den Fokonolona-Mythos als »Erfindung einer Tradition« (Hobsbawm/Ranger) bloß, die der sozialen Heterogenität aus dem Wege geht. Wenn der vielbeschworene »sozio-kulturelle Faktor« in der Entwicklungspolitik tatsächlich ernst genommen werden soll, werden solche unvoreingenommenen Fallanalysen gebraucht.
36 Huber, Ludwig: Bauern und Staat in Peru: Die Rondas Campesinas von Piura. 1992. 361 S., 27 EUR. ISBN 3-88156-557-4
Beschrieben wird der Entstehungs- und Entwicklungsprozeß von Bauernorganisationen im nördlichen Hochland des Andenstaates, den Rondas Campesinas, die sich Mitte der 80er Jahre zur Verteidigung gegen Viehdiebe for-mierten und danach ihren Aktionsradius sukzessive ausdehnten. In einer eigenen Gerichtsbarkeit, die in einem bemerkenswerten Gegensatz zu den ineffizienten staatlichen Institutionen steht, regeln die Bauern heute fast alle Probleme, die das tägliche Leben in ihren Dörfern betreffen, unter sich. Als Polizei-, Justiz- und Vollstreckungsorgan in einem sorgen die Rondas Cam-pesinas für die Durchsetzung sozialer Normen und sind richtungsweisend geworden in einer Gesellschaft, die zwischen einem morbiden Staatsapparat und einer kompromißlos gewalttätigen Guerilla zerrieben zu werden droht.
»Hubert gelingt es mit den Ergebnissen seiner knapp zweijährigen Feldforschung in zahlreichen Dörfern Nordperus, seine Kritik am internationalen Diskussionsstand zu Bauern und Politik zu untermauern. Seine Erkenntnis verdient festgehalten zu werden, ,dass Bauern, anstatt sich apathisch in ihr Schicksal zu fügen, den sozialen Fortschritt suchen, ohne gleich auf die Barrikaden zu gehen'. Sie erreichen sozialen Fortschritt, indem sie kollektiv handelnd Gesellschaft schaffen.« (Peripherie 54/1994)
37 Haar, Bernhard von der: Zwischen Tradition und Innovation. Handwerk und Kleingewerbe in den zentralen Orten der ländlichen Gebiete Zimbabwes. 1993. IX, 127 S., 14 EUR. ISBN 3-88156-585-X
Vor dem Hintergrund der fortschreitenden Deindustrialisierung der afrikanischen Metropolen spielt die Unterstützung des ländlichen Kleingewerbesektors eine zunehmend zentrale Rolle für den nationalen Entwicklungsprozeß. Das Wissen über die inneren Funktionsmechanismen des ländlichen Gesellschaftssystems erscheint demgegenüber dermaßen gering, dass häufig vorschnell die Parameter einer kapitalistischen und marktgesteuerten Wirtschaftsordnung unterstellt werden. Gestützt auf 42 Interviews wird die These vertreten, dass die ökonomischen Entscheidungen ländlicher Unternehmer nicht primär dem Kalkül der Gewinnmaximierung unterliegen, sondern Ausdruck sozial vermittelter Handlungsrationalitäten sind, deren Logik sich aus dem traditionellen Wertesystem der ländlichen Gesellschaft ergibt.
38 Campos, Indio: Veredelungswirtschaft in Südoldenburg. Fallstudie zum Strukturwandel in der modernen Landwirtschaft. 1993. XIX, 196 S., 18 EUR. ISBN 3-88156-591-4
Um das Jahr 1870 noch eine völlig verfallene Agrarökonomie, reifte Südoldenburg zu einer der gegenwärtig entwickeltsten Veredlungswirtschaften Europas heran. Inzwischen werden etwa ein Zehntel der Mastschweine, ein Fünftel der Legehennen und ein Sechstel der Masthähnchen des bundesdeutschen Gesamtbestandes in Vechta und Cloppenburg gehalten, was Südoldenburg zum Spitzenreiter macht. Der Verfasser nimmt dieses Gebiet unter die agrarökonomische Lupe und verfolgt seine Entwicklungsgeschichte vom letzten Jahrhundert bis zur Gegenwart, wobei die Bildung eines agrar-industriellen Produktionskomplexes im Mittelpunkt steht. EWG-Agrarpolitik, Preisbildungsmechanismus und Modernisierung der Landwirtschaft sind Schlüsselwörter zum Strukturwandel, der in Südoldenburg nicht nur eine zunehmende Aufgabe kleinbäuerlicher Familienbetriebe mit sich bringt, sondern auch die moderne Landwirtschaft selbst aufgrund hoher Umweltbelastung in Frage stellt. Ob sich die großen Konzerne oder die kleinbäuerlichen Familienbetriebe durchsetzen, erhält daher eine neue Bedeutung.
39 Reinecke, Gerhard: Thailands Weg zur Sozialversicherung - Entscheidungsprozesse zwischen Demokratisierung und Militärputsch. Eine Analyse der Figuration strategischer Gruppen. 1993. 154 S., 15 EUR. ISBN 3-88156-604-X
Im Juli 1990 hat das thailändische Parlament gegen das Votum des militärdominierten Senats ein Sozialversicherungsgesetz verabschiedet. Mit der Umsetzung dieses Gesetzes ist in Thailand nach fast 60 Jahren vergeblicher Versuche zum ersten Mal ein funktionierendes Sozialversicherungssystem eingeführt worden. In dieser Arbeit wird untersucht, warum das Sozialversicherungsgesetz 1990 verabschiedet werden konnte, warum es trotz des Militärputsches vom Februar 1991 umgesetzt wurde und welche sozialen und politischen Auswirkungen der Konflikt um die Sozialversicherung hat. Da dieser Konflikt mit einer Phase heftiger Auseinandersetzungen zwischen ziviler Regierung und Militär zusammenfiel, erlaubt die Untersuchung der Durchsetzung und Umsetzung der Sozialversicherung über die Fallstudie hinaus Rückschlüsse auf die Entscheidungsprozesse zwischen Demokratisierung und Militärputsch. Als theoretisches Werkzeug der Untersuchung dient das Konzept der strategischen Gruppen, das nach einer umfassenden Kritik mit der Prozeß- und Figurationstheorie von Norbert Elias verbunden wird.
40 Rhode, Roman: Mit Feder und Machete. Selbstzeugnisse lateinamerikanischer Guerilleros. 1994. 209 S., 17 EUR. ISBN 3-88156-615-5
In ihren Selbstzeugnissen bringen sie nicht nur die Verarbeitung politisch-militärischer Erfahrungen zum Ausdruck, sondern auch ihr Selbstverständnis, ihre »condición guerrillera«. Die Guerrilleros bilden als Kämpfer und – in der Mehrzahl – als Intellektuelle eine heterogen zusammengesetzte und historisch differenzierte Kommunikationsgemeinschaft. Diese Arbeit stellt erstmals ein umfangreicheres Korpus von Selbstzeugnissen zusammen und beleuchtet anhand dieser das Phänomen der lateinamerikanischen Guerrilla (1960 –1990) »von innen«. Der Autor analysiert die Mythen, Denk- und Verhaltensformen der Guerrilleros systematisch im Zusammenhang der jeweiligen Kampfmethode und der Verständigung mit der Bevölkerung. Die pragmatische und akteurbezogene Untersuchung ist ein Beitrag zu einer ideologiekritischen, historisch differenzierten Betrachtung der Guerrilla.
41 Bernschneider-Harden, Birgit: Lernmotivation in der Erwachsenenalphabetisierung. Eine Untersuchung aus Brasilien. 1994. XII, 376 S., 28 EUR. ISBN 3-88156-629-5
Ein Hauptproblem der Erwachsenenalphabetisierung in Ländern der »Dritten Welt« ist die mangelnde Lernmotivation der potentiellen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Die Autorin geht alltagspraktischen, emotionalen und lernbiographischen Motivationsfaktoren in Beobachtungen und Gesprächen mit Beteiligten in brasilianischen Armenvierteln nach. Dabei ergeben sich überraschende Einsichten z. B. zur Alltagsrelevanz oder zur sozialen Stigmatisierung. Weniger überraschend sind die Ergebnisse der historischen Analyse des brasilianischen Bildungssystems und der durchweg desolaten ökonomischen Lage der Zielgruppe. Insgesamt verweisen die individuellen Motivationshindernisse auf gesellschaftliche Strukturprobleme, die außerhalb der Reichweite erwachsenenpädagogischer Bemühungen liegen.
42 Hirtz, Frank: Managing Insecurity. State Social Policy and Family Networks in the Rural Philippines. 1995. 282 S., 24 EUR. ISBN 3-88156-643-0
Social problems are immediate, pressing, nontheoretical, and threatening, for most of them call for a swift reaction. Social problems know nothing of academic disciplines, and their victims seldom care about the academic background of those concerned with their plight. Social problems in the Third World are managed by enormous expenditures of effort, wit, and perseverance. »The State« and its institutions are often seen as the main culprit, its actions as one of those intrusions and labelled in accordance with one’s ideological standpoint as alien, hostile, weak or insufficient; or it is perceived as the saviour, the unavoidable, necessary agency that will finally deliver the essential goods and sevices to the people in need. In this study »The State« is a player in the social world of people among the many other social insti-tutions. Rural Filipinos may not know all the intricacies of an administration, but they know that specific agencies exist and grasp the mandates of these institutions.
43 Zurmühl, Ute: Der »koloniale Blick« im entwicklungspolitischen Diskurs. Welt-Bilder und Bilder-Welten in der Entwicklungszusammenarbeit. 1995. 140 S., 17 EUR. ISBN 3-88156-656-2
Bilder, die wir uns von Menschen anderer Kulturen machen, sind keine realen Abbildungen, sondern entspringen nicht selten einem kolonialen Denken, das Geschichte mit Entwicklung der Welt nach unserem Vorbild gleichsetzt. Der Blick auf den »Fremden«, ob aus Lateinamerika, Afrika oder Asien, schwankt in Europa seit der Epoche der Aufklärung zwischen Glorifizierung und Verachtung, zwischen der Vorstellung des bewunderten »Edlen Wilden« und des zu zivilisierenden »Barbaren«. Beides versperrt den vorurteilsfreien Blick auf andere Lebensqualitäten. Dieser »koloniale Blick« eignet sich die Welt umfassend an und birgt die Gefahr des latenten bis offenen Rassismus. Er zieht sich auch durch den entwicklungspolitischen Diskurs. Ob Dependenz- oder Modernisierungstheorie, staatliche oder nicht-staatliche Entwicklungspolitik, emanzipatorische oder romantische Haltung, alle bleiben, gewollt oder ungewollt, in der »Eroberungsgesinnung« gefangen. Verdeutlicht wird der Zusammenhang auch durch Textbeispiele: seien es Bilderwelten in Kinderbüchern, die Sprachsymbolik der Presse oder die Programmatik entwicklungspolitischer Organisationen. Der »koloniale Blick«, so lassen sie erkennen, ist eine zerstörerische Reaktion auf den »fremden Blick«. Und sie lassen ahnen: Uns wird es an den Kragen gehen, wenn wir so weitermachen.
44 Linnebuhr, Elisabeth: Das begehrte Tuch. Handel und Konsum importierter Baumwollstoffe in Südost-Tanzania. Eine kulturgeschichtliche Studie. Vorwort von Georg Elwert. 1995, 160 S., 17 EUR. ISBN 3-88156-660-0
»Das Tuch ist Gold, es hilft in Schwierigkeiten« lautet eine Kanga-Aufschrift. Bei Kangas handelt es sich um buntbedruckte Baumwollstoffe, die in hoher Auflage industriell gefertigt werden. Sie werden von Frauen in Ostafrika nicht bloß als Kleidungsstücke, sondern auch als Kommunikationsmittel getragen. Dieses Buch deckt die Frühgeschichte des Kangas auf. Es zeigt, wie sich die Bedeutung von Tuch im politischen und sozialen Leben an der Südküste und im Hinterland von Tanzania verändert hat. Über Jahrhunderte war der Gebrauch von Textilien auf Personen mit hohem Status eingeschränkt. Der sich anbahnende Kolonialismus erzeugte eine Dynamik, in der Handel und Konsum expandierten. Baumwollstoffe aus Asien, Europa und Amerika waren begehrt. Bemerkenswert ist auch die Designgeschichte. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts haben Frauen als Konsumentinnen Einfluß auf die Tuchgestaltung. Die kulturgeschichtliche Studie geht aus von Interviews aus dem Nachlaß des Historikers David Miller. Sie stützt sich auf Archivrecherchen, Analysen visuellen Materials und Beobachtungen des Swahili-Alltag.